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Stand: 23.07.2015

Pressemitteilung

„Einfach mal schnuppern und angucken“

„Die Betreuung eines an Demenz erkrankten Menschen bringt Angehörige nicht selten an den Rand der körperlichen aber auch psychischen Erschöpfung. Oft werden Pflegende darüber krank“, weiß Jana Herbert Leiterin der sozialen Betreuung am Caritas Altenzentrum St. Martha. Sie legt den Angehörigen nahe, nicht zu warten, bis es gar nicht mehr geht, sondern Angebote zur Entlastung anzunehmen. Ein solches Angebot ist das Nachtcafé, das jeden dritten Samstag im Monat von 17 bis 21 Uhr in den Räumen der Tagespflege im Altenzentrum angeboten wird. Über diese in Speyer einzigartige Veranstaltung, die das Altenzentrum in Kooperation mit den Maltesern seit 2013 anbietet, informierten Jana Herbert und Carmen Nebling, Standortkoordinatorin bei den Maltesern in einem Vortrag am 22. November.

Sabine Berger ist eine der betroffenen Angehörigen, an die sich das Angebot richtet. Ihre Mutter ist seit zweieinhalb Jahren an Demenz erkrankt und soll eventuell nun zur Tochter ziehen. Die Tochter weiß, was auf sie in so einem Fall zukommt und möchte sich schon im Vorfeld informieren, welche Entlastungsmöglichkeiten sie dann in Anspruch nehmen kann.

Im Nachtcafé verbringen die an Demenz erkrankten Menschen eine schöne Zeit

Das Konzept des Nachtcafés hat Jana Herbert im Rahmen ihrer Weiterbildung zur gerontopsychiatrischen Fachkraft entwickelt. In erster Linie soll es den Angehörigen Freiräume schaffen. Von den Angehörigen der Gäste, die das Nachtcafé schon besuchen, sagt Herbert, dass sie die Zeit ganz unterschiedlich nutzen: einige gehen in Ruhe einkaufen, andere treffen sich mit Freunden oder verbringen den Abend einfach einmal ganz entspannt zu Hause auf dem Sofa. In diesen Stunden müssen sie sich einmal keine Sorgen machen. Die Gäste des Nachtcafés werden von den Maltesern zu Hause abgeholt und nach der Veranstaltung wieder nach Hause gebracht.

In den meisten Fällen lässt sich der Aufenthalt im Nachtcafé über die Pflegekasse finanzieren. „Es gibt verschiedene Töpfe, die dafür in Anspruch genommen werden können“, erklärt Carmen Nebling. Nur wenn im Einzelfall alles schon ausgeschöpft ist, würde der Besuch privat gezahlt werden, was für die vier Stunden inklusiv Essen und Transport rund der Besuch 59,50 € Euro kosten würde.

Im Nachtcafé verbringen die an Demenz erkrankten Menschen eine schöne Zeit. Dafür sorgen Demenzbetreuer von den Maltesern, die intensiv geschult wurden. „Wir haben hier den Luxus, einen Betreuungsschlüssel von eine zu eins, maximal eins zu zwei bieten zu können“, erklärt Jana Herbert. So kann individuell auf die Bedürfnisse der einzelnen Gäste eingegangen werden. Es wird zusammen gespielt, gesungen, Ausflüge unternommen. Immer wird auch gemeinsam gekocht. „Wir haben die Beobachtung gemacht, dass Menschen, die sonst keinen Appetit mehr haben, im Nachtcafé gerne essen“, erklärt Jana Herbert. Sie ist sich im Klaren: eine Demenz kann durch ein Nachtcafé nicht zum Stillstand gebracht werden. Vielleicht erinnern sich die Gäste wenig später noch nicht mal mehr an den Besuch, aber sie machen, wenn sie wieder zu Hause sind, einen entspannten und zufriedeneren Eindruck. Das würden die Angehörigen immer wieder berichten.

Jana Herbert und Carmen Nebling wissen, dass Flexibilität für die Angehörigen eine große Rolle spielt. Deswegen könnte das Nachtcafé bei Bedarf auch öfter angeboten werden oder die Zeiten an die Bedürfnisse der Angehörigen angepasst werden.

Sabine Berger ist von dem Angebot beeindruckt. „Es würde zwar alleine nicht reichen, wenn meine Mutter tatsächlich zu mir kommen würde, aber es wäre ein Baustein“, erklärt sie.
„Einfach mal schnuppern und angucken“, raten Jana Herbert und Carmen Nebling am Ende der Veranstaltung. Die nächste Möglichkeit besteht am 22. Dezember in den Räumen der Tagespflege des Caritas Altenzentrums St. Martha, Schützenstraße 18c, Speyer.
Anmeldung und weitere Information gibt es bei Jana Herbert, Telefon 06232 135 1501.

Text: Christine Kraus für den Caritasverband für die Diözese Speyer