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Stand: 23.07.2015

Pressemitteilung

Hühner in St. Martha

Sie scharren und picken, eines ist gerade dabei, im Hühnerhäuschen ein Ei zu legen. Zwei Bewohnerinnen sitzen auf einer Bank davor und betrachten versonnen das Federvieh.

Jana Herbert nimmt ein Huhn auf den ArmJana Herbert nimmt ein Huhn auf den ArmChristine Kraus

„Das weckt Erinnerungen an früher“, erklärt Jana Herbert, die Leiterin der sozialen Betreuung. Viele Bewohner hätten früher selbst Hühner gehalten. Eine vorbeikommende Seniorin bestätigt das: „Ja, nach dem Krieg hatten wir Hühner, so wie hier. Wegen der Eier und um ab und zu ein Huhn zu essen, wir hatten ja nicht viel“.

Den Hühnern hier geht es allerdings nicht an den Kragen. Ganz im Gegenteil, erklärt Jana Herbert, die Tiere bekommen hier ihr Gnadenbrot. Es sind ausgemusterte Legehennen aus Legebatterien. Normalerweise würden diese im Alter von 16 bis 18  Monaten, wenn sie in die Mauser kommen und nicht mehr täglich ein Ei legen, getötet. Anfangs, wenn sie auf den Hühnerhof Lüft in Seligenstadt ankommen, der die Tiere an das Altenzentrum vermietet hat, sehen sie noch völlig zerrupft aus. Den Hühnern im Garten von St. Martha geht es schon deutlich besser. Doch den aufmerksamen Bewohnern entgeht nicht, dass bei dem ein oder andern Tier noch ein paar Federn fehlen. „Wir sprechen dann darüber und eigentlich sind alle froh, dass die Hennen aus den Legebatterien gerettet wurden“, erklärt Jana Herbert. Und dass den fünf Hennen der Hahn fehlt, haben die Bewohner auch schon festgestellt.

Für die Bewohner des Altenzentrums ist der Hühnerhof auf Zeit im Garten ein Anziehungspunkt. Wer noch mobil ist, kommt selbst vorbei, wer nicht mehr gut zu Fuß ist, kommt gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen.

Lucia Agnello füttert Hühner mit SalatLucia Agnello füttert Hühner mit SalatChristine Kraus

Die Kräuter vom Hochbeet im Garten, und vor allem Löwenzahn, sind bei den Hühnern sehr begehrt. Die picken sie sogar aus der Hand, wenn die Bewohner das Grünzeug an den Zaun halten. „Die Tiere sind ganz zahm, sie lassen sich sogar auf den Arm nehmen und streicheln“; erzählt Jana Herbert. Ihre Kollegin Lucia Agnello berichtet gerührt von einer Bewohnerin. Sie habe eine fortgeschrittene Demenz, reagiere kaum noch auf Ansprache und eine Unterhaltung sei nicht mehr möglich. „Die Dame stand bei den Hennen und hat mit ihnen gesprochen, ihnen erzählt“, sagt Lucia Agnello. Das bestätige einmal mehr, dass Kontakt mit Tieren generell den Senioren im Altenzentrum gut tut.
Während der zwei Wochen, in denen die Hühner zu Besuch waren, drehte sich im Alltag der Bewohner vieles um das Thema Huhn und Eier. Auf dem Wochenplan standen Gerichte mit Ei, wie Eiersalat und ein Gläschen Eierlikör ist auch sehr gut bei den Bewohnern angekommen, ebenso die Bewegungsspiele zu dem Thema. Und gesungen wurde natürlich auch. „Ich wollt ich wär ein Huhn“.
So mancher Bewohner, aber auch einige Mitarbeiterinnen denken insgeheim: „Ich wollt ich hätte ein Huhn“. Die Hühner auf Zeit waren nicht zum ersten Mal im Garten des Altenzentrums zu Gast und wohl auch nicht zum letzten Mal, sagt Jana Herbert.