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Stand: 23.07.2015

Pressemitteilung

“Mit 67 einen 70-jährigen Senior durch die Wanne ziehen – das geht nicht“

Viel Lob für die von den MitarbeiterInnen des Caritas-Altenzentrums St. Martha in Speyer geleistete Arbeit, Kritik an der Landesregierung Rheinland-Pfalz, aber auch Anregungen, Wünsche und Kritik für die Arbeit, beziehungsweise an der Arbeit, der regierenden Koalition aus CDU und SPD im Bund wurden bei einer Veranstaltung der CDU Speyer vorgetragen. Zu Gast in St. Martha war der aus der Südpfalz stammende Staatssekretär im Gesundheitsministerium Thomas Gebhart (CDU). Thema der internen und öffentlichen Diskussionsrunde war insbesondere das weite Feld der Pflege.

Staatssekretär Thomas Gebhart besucht das Caritas-Altenzentrum St. MarthaAuch Fachleute aus der Pflege hatten Gelegenheit, in einer kleinen Runde ihre Wünsche an die Politik zu äußern.

Die Einrichtungsleiterin des Caritas-Altenzentrums St. Martha, Gudrun Wolter, stellte dem Gast das Haus mit seinen 119 Vollstationären und sechs Kurzzeit-Pflegeplätzen sowie einer Tagespflegegruppe mit circa zehn TeilnehmerInnen vor. Kurzzeit- und Tagespflege seien stark nachgefragt. „In der Tagespflege könnten wir mehr Menschen betreuen, wenn es nicht das Problem der nicht refinanzierten Fahrtkosten gebe“, betonte Wolter. Ein Schwerpunkt des Hauses liegt laut Wolter in der Pflege von an Demenz erkrankten SeniorInnen. Da viele demente SeniorInnen verhaltensauffällig seien, stoße die Einrichtung jedoch zeitweise an Grenzen der Integration. Ein Problem sei, dass die Menschen immer später in die Einrichtung kommen. Da für die individuelle Beschäftigung mit den Senioren dem Pflegepersonal nur wenig Zeit bleibe, setze das Haus oft auf Gruppenarbeit, so Wolter. Trotzdem sei St. Martha bemüht, ein Netz der Außenkommunikation zu knüpfen. Ein offenes Angebot und ein Leuchtturmprojekt der Einrichtung sei das Nachtcafé, eine Betreuung von dementen SeniorInnen an einem Samstagabend zur Entlastung von Angehörigen. Dieses werde allerdings noch nicht so gut angenommen.

Staatssekretär Thomas Gebhart besucht das Caritas-Altenzentrum St. MarthaDer Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Thomas Gebhart (CDU) besuchte am Freitag das Caritas-Altenzentrum St. Martha in Speyer und stellte sich den Fragen und der Kritik von BewohnerInnen und Angehörigen.Stefan Tresch

Dass es in der Pflege enorme Bedarfe an Finanzen und Personal gibt, das weiß Gebhart, das wurde ihm aber auch deutlich gesagt. Pflegedienstleiterin Petra Spitz kritisierte, dass sie in ihrer langen Zeit der Berufstätigkeit schon viele Initiativen erlebt habe. „Verbessert hat sich nichts“, sagte sie klar. Sie gab der Hoffnung Ausdruck, dass der Staatsekretär nach den Wahlen am Ball bleibe. Dieser betonte, dass es das erste Bestreben der Regierung sei, die Arbeitsbedingungen der Bestandskräfte zu verbessern. Mit dem Pflegepersonal-Stärkungsgesetz, das Anfang des Jahres in Kraft trat, habe die Bundesregierung erste Schritte für Verbesserungen in die Wege geleitet. Die Zweifel bei den Fachkräften ganz ausräumen konnte Gebhart nicht. „Wenn ich mit 67 Jahren einen Senior mit 70 durch die Wanne ziehen muss, dann geht das nicht“, forderte Spitz eine frühere, abschlagsfreie Möglichkeit des Ausstiegs für Pflegekräfte in die Rente und erhielt dafür Beifall.

„Wir müssen offensiv vertreten, dass uns die Pflege etwas wert ist“, sagte Gebhart. Rund 7,6 Milliarden Euro würden durch die Erhöhung der Beiträge in die Pflegeversicherung mehr eingenommen. Das reiche, um die finanziellen Bedarfe der nächsten drei Jahre zu decken. Danach müsse über weitere Maßnahmen offen diskutiert werden. Optimistisch stimme ihn, dass es keine Proteste zur Erhöhung der Pflegeversi-cherungsbeiträge gab. Schwer werde es jedoch, den Personalbedarf zu decken, räumte Gebhart ein. Nur mit am heimischen Arbeitsmarkt ausgebildeten Kräften könne dies trotz Rekordausbildungszahlen nicht gelingen. „Wir brauchen Pflegekräfte aus dem Ausland“, meinte der Staatssekretär. Dann solle die Regierung dafür sorgen, dass diese hier schnell Fuß fassen könnten und ihre Ausbildung anerkannt werde, wurde Gebhard entgegnet. Das sieht auch Timo Kittler, Abteilungsleiter Geschäftsfeldentwicklung der CBS Caritas Betriebsträgergesellschaft, so, der sagte: „Die Caritas hat in dieses Feld schon viel investiert. Es ist aber aufgrund der bürokratischen Vorgaben schwer, auch gut gerüstete Arbeitskräfte aus dem Ausland hier zu integrieren.“ Gestoppt werden müsse, dass viele Pflegekräfte nach kurzer Zeit den Beruf verlassen, war man sich einig. „Das alles ist ein Wettlauf mit der Zeit“, sagte Gebhart, der sich jedoch den Vorwurf gefallen lassen musste, dass alles absehbar war, nun aber, vor Wahlen, Akti-onismus verbreitet werde.

Gudrun Wolter gab dem Staatssekretär Anregungen und Wünsche mit auf den Weg: Die finanzielle Eigenbeteiligung von Pflegebedürftigen und Angehörigen würde an Grenzen stoßen, wecke andererseits in der Pflege Ansprüche, die nicht immer erfüllt werden könnten. Sie forderte alternative Finanzierungsmodelle, um mehr Personal in der Pflege zu ermöglichen. Der Umgang mit Krankheit, Alter und Behinderung müsse menschlicher werden, Initiativen zur Gewinnung von Mitarbeitern müssten sinnvoll sein, flexible Arbeitszeitmodelle und Bürokratieabbau seien notwendig.

Der Staatssekretär seinerseits kritisierte, dass Rheinland-Pfalz eines von vier Bundesländern sei, dass sich aus den Investitionszuschüssen für Altenpflegeeinrichtungen komplett zurückgezogen habe. Die Bundesregierung habe einen Pflegebeauftragten installiert, der mit daran arbeiten soll, wie Bürokratie in der Pflege abgebaut werden könne, sagte Gebhart.

Kritik von Seiten der Besucher der öffentlichen Diskussionsveranstaltung gab es an der Schnittstelle zwischen Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern. Im Krankenhaus habe er zu hören bekommen, das man dort zur Pflege von alten und dementen Menschen nicht da sei. „Dass hätten Menschen mit einem Säugling nicht gehört“, so Joachim Wagner vom Bewohnerbeirat in St. Martha. Kritisch gesehen wurde die Benotung der Altenpflegeeinrichtungen durch den Medizinischen Dienst. Es gab den Vorschlag, den Solidaritätsbeitrag in die Pflege umzuleiten. Und es gab Lob von dem CDU-Fraktionsvorsitzenden im Speyerer Stadtrat, Axel Wilke, vom Vorsitzenden des CDU-Kreisverbandes Speyer, Michael Wagner und von Stadträtin Rosemarie Keller-Mehlein für die speziell in St. Martha und in der Altenpflege allgemein geleistete Arbeit.